Informationen zum Drehorgel Selbstbau

20er Drehorgel mit Lochbandsteuerung

Pfeifenbau

Die Höffle Drehorgel besitzt in der Vollausstattung (4 Register) 56 Pfeifen.

Es sind in der Bauanleitung folgende Pfeifen vorgesehen:

  • Die Bodenpfeifen (Baß und Begleitung): 12 Pfeifen
  • 1. Melodieregister Flöte: 11 Pfeifen
  • 2. Melodieregister Flöte (Tremolo): 11 Pfeifen
  • 3. Melodieregister Piccolo: 11 Pfeifen
  • 4. Melodieregister Violine: 11 Pfeifen

Damit überhaupt mit der Drehorgel gespielt werden kann, baue ich zunächst nur die Bodenpfeifen, sowie das 1. und 2. Register.

Prinzipell hätte das 1.Register genügt. Da aber 1. und 2. Register baugleich sind und nur die Stimmung den Unterschied ausmacht, baue ich das 2. Rgeister gleich mit.

Später folgt dann das Piccolo Register. Das Violin Register wird wahrscheinlich durch ein Trompetenregister ersetzt werden.

Die Bauanleitung ist im Bezug auf das Bauen der Pfeifen ein wenig dürftig. Super ist jedoch die Mensurentabelle.

Ausführlichere Informationen zum Bau der Pfeifen gibt es von Klaus Ospelt.
Seine Dokumentation ist hier zu finden: http://uli.stille.biz/Unsere%20Website%20HP/Pfeifenbau/Frames%20Pfeifenbau/Frameset%20Pfeifenbau.htm

und hier: http://uli.stille.biz/Unsere%20Website%20HP/Lehrgeld/Frames%20Lehrgeld/Bericht%20Pfeifenbau%20V2.htm

Der Bau meiner Pfeifen beruht größtenteils auf diesen Ausführungen, sowie der Emailkorrespondens mit Klaus.

Als Kernmaterial habe ich Riegelahorn verwendet. Das habe ich einfacher in den erforderlichen Größen bekommen, als normales Ahornholz.

Die Leisten für die Kerne habe ich mir dann von dem Tischler meines Vertrauens zusägen und hobeln lassen.

Man kann die Leisten, wie auch die Bretter, jedoch auch mit einem einfachen Abrichthobel erstellen.

Hinweis: Die Deckbrettchen (Labienbrettchen) wurden nachträglich noch aus Birnenbaum (anstatt Fichte) gefertigt.



Nebenstehend ein kleiner Überblick bezüglich der Bemaßung der Kerne.

Der tiefe Ausschnitt in der Mitte der Bodenpfeifenkerne wurde bis auf 10 - 12 mm nach unten geführt. Die Ausschnitte konnten nicht bei allen Baßpfeifenkernen ganz so tief geführt werden, da die Prox... Tischkreissäge nicht tiefer einstellbar war.

Nach Klaus Ospelts Hinweisen, kann man die Kerne anstatt 35mm auch 2-3mm länger machen. Ich habe die auf 35mm belassen, dafür aber trotzdem 16mm für die unteren Kernbereiche geschnitten. Beim Abtrennen der Kerne habe ich dann meist noch 1mm im Plus gehabt (Von Hand an der Zug- und Kappsäge abgelängt). Meine Kerne sind daher eigentlich nie kleiner als die 35mm aus der Baubeschreibung.

Durch die 2-3mm, bzw die 16mm hat man etwas mehr Platz zum Setzen der Schrauben des Vorschlages.


Begonnen habe ich mit dem Bau der Kerne für die Bodenpfeifen.
Da ich aus Sicherheitsgründen immer einen Kern als Reserve haben wollte, wurde immer mindestens einen Kern mehr gefertigt. Der Einfachheit halber, wurden an den Leisten immer beide Enden gleichzeitig bearbeitet.
Die Kerne wurden erst nach Fertigstellung von den Leisten abgesägt. Das war für mich einfacher zu handhaben. Ich wüßte nicht, wie ich die kleinen Kerne sonst hätte sägen können.

Zuerst wurde die Bohrung für die 10mm Messingröhrchen erstellt. Dafür wurde die Mitte der Bohrung 15mm von der Unterkannte angezeichnet. Dann bohrt man in der Tiefe, bis ca 10mm vor die vordere Kernkante (wurde nicht immer ganz eingehalten).

In diesem Bild ist bereits der 45 Grad Schnitt erfolgt. Normalerweise hatte ich den Schnitt immer nach dem Bohren getätigt.




Hier nochmals die Anrisse des Kernes.

Durch die Anrisse kann die Prox... Tischkreissäge gut eingestellt werden.


Der große Ausschnitt wurde durch mehrfaches durchfahren durch das Sägeblatt erreicht. Die Holzleiste wurde immer um ca. ein halbes Sägeblatt versetzt, erneut über das Sägeblatt geführt.

Das Absägen des fertigen Kernes erfolgte dann mit einer Kapp- und Zugsäge.
Im gegensatz zur Prox.. Säge erzielte ich damit bessere Schnittkanten beim Abtrennen des Kernes.

Allerdings wurde auch ein Sägeblatt mit 80 Zähnen verwendet.


Der entstandene große Raum im Pfeifenfuß dient der Luftexpansion. Durch die versetzte Bohrung, erreicht man zusätzlich eine gute, gezielte Luftführung vor der 45 Grad Schräge.

Der Kern ist noch nicht beschliffen und "entgratet".


Die fertigen Kerne der 9 Bodenpfeifen, incl. der 3 Kerne für die Doppelbässe.


Die Kerne nach dem Säubern der Sägegrate.

In den, mit den Pfeilen markierten Bereichen, müssen die Kanten abgerundet werden, damit die Luft sauber bis zum Blättchen strömt.


Ein fertiggestellter Kern der Melodiepfeifen.

Die Bearbeitung und der Zuschnitt erfolgte in ähnlicher Weise, wie bei den Kernen für die Bodenpfeifen.
Nur, dass bei diesen Kernen die Tiefe des Schrägschnittes, sowie der Ausschnitt durch das 6mm Röhrchen bereits vorgegeben ist.

Die Bohrung für das 6mm Messingröhrchen erfolgte nach dem Zuschnitt des Kernes.


Die 11 Kerne der Melodiepfeifen.

Insgesamt habe ich 33 Kerne gefertig.
1. Register Melodie, 2. Register Melodie, sowie einmal Reserve.


Die zugeschnittenen Brettchen für die Pfeifen.
Im Bild rechts, die Bodenpfeifen, links die Melodiepfeifen für das erste und zweite Register.

Ich bin beim Zuschnitt wiefolgt vorgegangen:
Man beginnt mit den größten Brettchen und schneidet eine ganze Länge ab
(Danach folgt dann das nächstdünnere Brettchen).
Dabei habe ich ca. 1,5 - 2,5mm zur erforderlichen Breite hinzugegeben. Dann habe ich den Streifen auf  die "Breite" + 0,5 bis + 0,7mm zugeschnitten.

Dadurch, dass man erst einen etwas breiteren Streifen schneidet, wird der dann folgende exakte Zuschnitt sauberer, da man nur einen sehr kleinen Streifen abschneiden muss. Das Brett muss sich nicht durch die kleine Säge quälen.

Wenn dann die Brettchenleiste auf das genaue Maß gebracht wurde, werden die entsprechenden Längen für die Pfeife zugeschnitten.

Wichtiger Hinweis: alle Brettchen 35mm länger zuschneiden, als in der Mensurentabelle angegeben. (Als Reserve)

Ich hatte überschlagsmäßig die Menge der Bretter berechnet. Insgesamt scheint das wohl eine sehr positive Berechnung gewesen zu sein. Als Grundlage hatte ich Bretter von 0,1m x 1m angenommen. Die gibt es günstig bei ebay zu kaufen.
Für meine Höffle bin ich bezüglich der Bretter einen anderen Weg gegangen.
Ich hatte mir Reste von Orgelbauhölzern gekauft, die allerdings um die Maße herum schwankten. Die wurden dann auf die Entsprechende Dicke (4mm, 5mm, 6mm) gehobelt und geschliffen.

Folgende Mengen hatte ich ermittelt:

  • Boden und Begleitpfeifen: 7 x 5mm, 3 x 6mm
  • Melodiepfeifen 1. und 2. Register: 4 x 5mm, 2 x 6mm
  • Piccolopfeifen: 0,5 x 3,5mm, 1 x 4mm, 1 x 5mm
  • Violinen: 5 x 5mm, 4 x 6mm




Die Pfeife vor dem Kleben der beiden Seitenteile. Ich hatte zusätzlich, zum Zwischenlegen, noch eine weiteres Stückchen Kern von 0,5cm gesägt. Das ist das kleine Stück am Ende, auf der rechten Seite.


Der Kern geklebt, mit den Anpresszangen.

Zum Kleben, den Kern mit der Pona... Flasche einstreichen. Dann den Kleber mit der Hand gleichmäßig verstreichen, so dass sich nicht zu viel Pona... auf dem Holz befindet. Die Brettchen anlegen, ausrichten, mit der Spannzange fixieren.

Wichtig: Dann kontrollieren, ob Kern und Brettchen nach dem Fixieren Plan aufliegen. Sonst durch Andrücken der Teile auf die Platte schauen, dass die Teile dann Plan anliegen. Mindestens 10 min. Aushärten lassen. Nächste Pfeife kleben...

Damit meine Pfeifen nicht durch austretendes Pon... auf dem Untergrund festkleben, habe ich eine Kunststoffscheibe auf eine dickere Multiplexplatte geschraubt. Die dickere Platte deshalb, um einen gute plane Unterlage zu haben.

Cellophanfolie als Unterlage würde wohl auch genügen.


Die Spannzangen mit dem Kern und den Seitenbrettchen der Pfeife.


Nachdem die Seiten angeklebt wurden, habe ich dias Front- und Rückbrettchen wieder zusammengepackt.

So sind die zugehörigen Teile der Pfeife immer beisammen.
Unter den Beschriftungszetteln, nicht sichtbar, befinden sich die Spunde (Stöpsel).


Hier wird gerade die Rückseite der Pfeife plangeschliffen.

Dafür habe ich mir eine dickes Brett (ca. 20mm) von ca. 1,2m x 0,25m zusägen lassen.

Auf diesem wurde dann Schleifpapier von der Rolle, auf ganzer Länge aufgetragen.

Ich habe 40er und 180er Körnung verwendet.

40er für den groben Abtrag und 180er für den feineren Endschliff.


Hier noch mal das Schleifbrett in ganzer Länge. Die Schleifpapierbahnen habe ich mit jeweils einer Leiste an den Enden fixiert.


Der Kern mit den beiden Seitenbrettchen nach dem Abschleifen.

Wenn man Striche mit dem Bleistift auf den Kern bringt, kann man gut feststellen, wann man bis auf den Kern geschliffen hat.


Das Kleben der Rückwände.
Da bei den Bodenpfeifen die Messingröhrchen nicht nach unten, sondern nach hinten herauslaufen, musste in das Rückwandbrettchen ein Loch gebohrt werden. Ich habe für alle Bodenpfeifen einen 15mm Forstnerbohrer verwendet.


Am oberen Ende der Pfeifen wird der Spund mit eine Spannzange fixiert.
Ich habe den Spund so weit als möglich am Ende platziert. Daher schaut der Spund etwas über das Ende der Pfeifenbrettchen hinaus.


Eine Bodenpfeife vor dem Aufkleben der Rückwand.


Zur Verteilung des Anpressdruckes wurde nach dem Aufkleben noch ein Brett aufgelegt.

Später, bei den kleineren Pfeifen wurde dann auf das Brett verzichtet.


Hier noch mal die Spannzange, das Brett zum Verteilen des Pressdruckes und die Pfeife.

Ich habe relativ schnell das Brett weg gelassen. Mit genügend Spannzangen wird der Pressdruck auch so gut verteilt.


Die Bodenpfeifen mit aufgeklebten Rückwänden.

Hiweis: Die Deckbrettchen bzw. Labienbrettchen wurden nachträglich noch aus Birnenholz gefertigt.

Ich bin also bei den Labien von Fichte auf Binenholz gewechselt. Das Holz ist härter und läßt sich dadurch sauberer fräsen.


Das Befestigen der Vorschläge.

Ich bin folgendermaßen vorgegangen:

Mit der Proxx... Tischkreissäge habe ich die Leisten für die Vorschläge auf die gleiche Breite wie die Pfeifen geschnitten. Hierbei kann man wie bei den Pfeifenbrettchen verfahren, mit der größten Pfeife beginnen und dann immer mit der nächstkleineren Pfeife weitermachen.

Wenn das Vorschlagbrettchen abgeschnitten war, habe ich es mit einer Spannzange an der Pfeife fixiert. Der Vorschlag muss plan mit der Oberkante des Kernes abschließen.

Folgende Maße für die Bohrungen wurden verwendet (angerissen):

25mm von der Oberkante des Vorschlages, jeweils 5mm von der Außenkante aus.

Diese Maße empfinde ich als optisch am passendsten. Die Lage der Schrauben sollten nicht an Ränder oder Ecken gequetscht aussehen.



Zum Befestigen der Vorschläge habe ich 3x20mm Linsenkopf Messingschrauben verwendet.

Hierbei wurde für die Befestigungsbohrung der Schraube mit 2mm gebohrt, der Vorschlag selbst dann mit 3mm aufgebohrt.

Nach dem Aufbohren des Vorschlages wurde für die Messingschraube gesenkt.
Dann wurde der Vorschlag festgeschraubt. Wobei ich hier die Schraube zuerst vorsichtig, ohne Vorschlag, vorab eingeschraubt hatte.


Mit dem festgeschraubten Vorschlag konnte nun problemlos das Loch für die zweite Schraube gebohrt werden.

Dann Vorschlag abschrauben, Vorschlag in 3mm Aufbohren, senken und Vorschlag mit beiden Schrauben festschrauben.


Der fertig angeschraubte Vorschlag.


Die Fräslade zum Fräsen der Labien

Die Fräslade wurde weitgehend so gebaut, wie in der Bauanleitung beschrieben.

Die einzigen Änderungen, die ich vorgenommen habe,betreffen die Aufnahme der Gewindestangen, sowie die Gewindestangen selbst.

Es wurden 8mm Gewindestangen verwendet und statt Splinte zu verwenden, wurden einfach Muttern an den Gewindestangen angeschweißt.

Für die Aufnahmen der Gewindestangen wurden komplett durchlaufende Flacheisen 4x24mm verwendet.

Zum Anzeichnen der Schrägen wurde auf die Oberfläche ein Winkelmesser gelegt, der mit 14 Grad eingestellt war. Dann wurde angezeichnet. Da die Hölzer eine Phase haben, wurde der Winkelmesser unter Zurhilfenahme von einem Holzklotz geführt.
Zusätzlich wurden auf der Anzeichnungslinie zwei Nägel mit abgeschnittenem Kopf eingeschlagen.


Für die Führungsleisten der Fräse wurden 5mm Flügelschrauben verwendet.
Die schneiden nach dem Vorbohren das Gewinde selbst in das Holz.

Nachdem die Führungsleisten mit dem erichtigen Maß auf die Fräse ausgerichtet waren, wurden die Leisten sicherheitshalber mit kleinen Schrauben gesichert.

Ich wollte verhindern, dass ggf. die Führungsleisten sich durch den Druck der Fräse verstellen.


Hier ist bereits ein Labiumbrettchen eingespannt worden.


Die Labiumschräge wurde gefräst.


Die fertig gefräste Labiumkante.


Das Zurichten der Dicke der Labiumkante.

Das Labium soll gemäß Baubeschreibung eine Stärke (Dicke) von ca. 1,5mm - 2mm haben.

Für das Zurichten gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine wäre das Abstechen mit einem Stechbeitel. Eine Zweite wäre das Abfräsen, z.B. mit einer Proxx... Bohr- / Fräseinrichtung.

Ich habe mich für die günstigste Art des Abfräsens entschieden. Meine Idee ist eigentlich extrem günstig, wie auch einfach in der Umsetzung, nur ggf. ein wenig aufwändiger beim Säubern und Fräsen selbst.

Es wurde eine einfache Aufnahme für die Labienbettchen aus Holzresten gebaut. Die Aufnahme erhielt noch ein senkrechtes, rechtwinkliges Brettchen, damit wurde die senkrechte Ausrichtung des Labienbrettchens vereinfacht.

Beim Festspannen des Labienbrettchens wurde zwischen Sägetisch und Labiumbrettchen ein Stück Papier gelegt, damit das Brettchen immer frei über den Tisch geschoben werden kann.


Das Aussägen (Fräsen) der Labiendicke erfolgte dann supereinfach.

Zunächst, vor dem Einspannnen des Labiumbrettchens mit einer festgestellten Schieblehre, z. B. 1,5mm, die Tiefe der Ausfräsung anreißen und dann mit Bleistift und Winkel anzeichnen.

Danach mit der Sägeaufnahme immer wieder über die Säge fahren. Dabei kann die genaue Tiefe bzw. Höhe durch das Verstellen des Sägeblattes eingestellt werden.

An den Rändern, zu den Bärten hin wurde ca. 1mm nicht gefräst, damit nicht versehentlich die Bärte mit angesägt werden. Diese Reste wurden dann mit einem kleinem Cuttermesser vorsichtig abgeschnitten.

Man kann wunderbar nach dem Sägen die Sägehalterung mit dem Labiumbrettchen anheben, die Labiendicke messen und durch erneutes Aufsetzen und der Höhenverstellung des Sägeblattes die Dicke vergrößern. Dies wiederholt man, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Die Labienkannte kann dann noch mit einer "Holzfeile" sauber "Entgratet" werden. Eine Holzfeile ist ein Holzbrettchen, auf das ein Schleifpapier geklebt wurde.

Wichtig: Es muss in die Labienschrägung gesägt werden. Bei den ersten Versuchen, als die Labienschräge nach hinten zeigte, war die Schnittkante nach dem Sägen ausgerissen.
Abschliessend alles mit der Holzfeile säubern.