Informationen zum Drehorgel Selbstbau

20er Drehorgel mit Lochbandsteuerung

Pfeifenbau

Die Höffle Drehorgel besitzt in der Vollausstattung (4 Register) 56 Pfeifen.

Es sind in der Bauanleitung folgende Pfeifen vorgesehen:

  • Die Bodenpfeifen (Baß und Begleitung): 12 Pfeifen
  • 1. Melodieregister Flöte: 11 Pfeifen
  • 2. Melodieregister Flöte (Tremolo): 11 Pfeifen
  • 3. Melodieregister Piccolo: 11 Pfeifen
  • 4. Melodieregister Violine: 11 Pfeifen

Damit überhaupt mit der Drehorgel gespielt werden kann, fertige ich zunächst nur die Bodenpfeifen, sowie das 1. und 2. Register.

Prinzipell hätte das 1.Register genügt. Da aber 1. und 2. Register baugleich sind und nur die Stimmung den Unterschied ausmacht, baue ich das 2. Rgeister gleich mit.

Später folgt dann das Piccolo Register. Das Violin Register wird wahrscheinlich durch ein Trompetenregister ersetzt werden.

Die Bauanleitung ist im Bezug auf das Bauen der Pfeifen ein wenig dürftig. Super ist jedoch die Mensurentabelle.

Ausführlichere Informationen zum Bau der Pfeifen gibt es von Klaus Ospelt.
Seine Dokumentation ist hier zu finden: http://uli.stille.biz/Unsere%20Website%20HP/Pfeifenbau/Frames%20Pfeifenbau/Frameset%20Pfeifenbau.htm

und hier: http://uli.stille.biz/Unsere%20Website%20HP/Lehrgeld/Frames%20Lehrgeld/Bericht%20Pfeifenbau%20V2.htm

Der Bau meiner Pfeifen beruht größtenteils auf diesen Ausführungen, sowie der Emailkorrespondens mit Klaus und Reinhard.

Als Kernmaterial habe ich Riegelahorn verwendet. Das habe ich einfacher in den erforderlichen Größen bekommen, als normales Ahornholz.

Es ist wichtig immer ein hartes Holz für die Kerne (und Labien) zu verwenden, um scharfkantige Kanten zu erhalten.

Die Leisten für die Kerne habe ich mir dann von dem Tischler meines Vertrauens zusägen und hobeln lassen.

Man kann die Leisten, wie auch die Bretter, jedoch auch mit einem einfachen Abrichthobel erstellen.

Hinweis: Die Deckbrettchen (Labienbrettchen) wurden nachträglich noch aus Birnenbaum (anstatt Fichte) gefertigt.



Nebenstehend ein kleiner Überblick bezüglich der Bemaßung der Kerne.

Der tiefe Ausschnitt in der Mitte der Bodenpfeifenkerne wurde bis auf 10 - 12 mm nach unten geführt. Die Ausschnitte konnten nicht bei allen Baßpfeifenkernen ganz so tief geführt werden, da die Prox... Tischkreissäge nicht tiefer einstellbar war.

Nach Klaus Ospelts Hinweisen, kann man die Kerne anstatt 35mm auch 2-3mm länger machen. Ich habe die auf 35mm belassen, dafür aber trotzdem 16mm für die unteren Kernbereiche geschnitten. Beim Abtrennen der Kerne habe ich dann meist noch 1mm im Plus gehabt (Von Hand an der Zug- und Kappsäge abgelängt). Meine Kerne sind daher eigentlich nie kleiner als die 35mm aus der Baubeschreibung.

Durch die 2-3mm, bzw die 16mm hat man etwas mehr Platz zum Setzen der Schrauben des Vorschlages.


Begonnen habe ich mit dem Bau der Kerne für die Bodenpfeifen.
Da ich aus Sicherheitsgründen immer einen Kern als Reserve haben wollte, wurde immer mindestens einen Kern mehr gefertigt. Der Einfachheit halber, wurden an den Leisten immer beide Enden gleichzeitig bearbeitet.
Die Kerne wurden erst nach Fertigstellung von den Leisten abgesägt. Das war für mich einfacher zu handhaben. Ich wüßte nicht, wie ich die kleinen Kerne sonst hätte sägen können.

Zuerst wurde die Bohrung für die 10mm Messingröhrchen erstellt. Dafür wurde die Mitte der Bohrung 15mm von der Unterkannte angezeichnet. Dann bohrt man in der Tiefe, bis ca 10mm vor die vordere Kernkante (wurde nicht immer ganz eingehalten).

In diesem Bild ist bereits der 45 Grad Schnitt erfolgt. Normalerweise hatte ich den Schnitt immer nach dem Bohren getätigt.




Hier nochmals die Anrisse des Kernes.

Durch die Anrisse kann die Prox... Tischkreissäge gut eingestellt werden.


Der große Ausschnitt wurde durch mehrfaches durchfahren durch das Sägeblatt erreicht. Die Holzleiste wurde immer um ca. ein halbes Sägeblatt versetzt, erneut über das Sägeblatt geführt.

Das Absägen des fertigen Kernes erfolgte dann mit einer Kapp- und Zugsäge.
Im gegensatz zur Prox.. Säge erzielte ich damit bessere Schnittkanten beim Abtrennen des Kernes.

Allerdings wurde auch ein Sägeblatt mit 80 Zähnen verwendet.


Der entstandene große Raum im Pfeifenfuß dient der Luftexpansion. Durch die versetzte Bohrung, erreicht man zusätzlich eine gute, gezielte Luftführung vor der 45 Grad Schräge.

Der Kern ist noch nicht beschliffen und "entgratet".


Die fertigen Kerne der 9 Bodenpfeifen, incl. der 3 Kerne für die Doppelbässe.


Die Kerne nach dem Säubern der Sägegrate.

In den, mit den Pfeilen markierten Bereichen, müssen die Kanten abgerundet werden, damit die Luft sauber bis zum Blättchen strömt.


Ein fertiggestellter Kern der Melodiepfeifen.

Die Bearbeitung und der Zuschnitt erfolgte in ähnlicher Weise, wie bei den Kernen für die Bodenpfeifen.
Nur, dass bei diesen Kernen die Tiefe des Schrägschnittes, sowie der Ausschnitt durch das 6mm Röhrchen bereits vorgegeben ist.

Die Bohrung für das 6mm Messingröhrchen erfolgte nach dem Zuschnitt des Kernes.


Die 11 Kerne der Melodiepfeifen.

Insgesamt habe ich 33 Kerne gefertig.
1. Register Melodie, 2. Register Melodie, sowie einmal Reserve.


Die zugeschnittenen Brettchen für die Pfeifen.
Im Bild rechts, die Bodenpfeifen, links die Melodiepfeifen für das erste und zweite Register.

Ich bin beim Zuschnitt wiefolgt vorgegangen:
Man beginnt mit den größten Brettchen und schneidet eine ganze Länge ab
(Danach folgt dann das nächstdünnere Brettchen).
Dabei habe ich ca. 1,5 - 2,5mm zur erforderlichen Breite hinzugegeben. Dann habe ich den Streifen auf  die "Breite" + 0,5 bis + 0,7mm zugeschnitten.

Dadurch, dass man erst einen etwas breiteren Streifen schneidet, wird der dann folgende exakte Zuschnitt sauberer, da man nur einen sehr kleinen Streifen abschneiden muss. Das Brett muss sich nicht durch die kleine Säge quälen.

Wenn dann die Brettchenleiste auf das genaue Maß gebracht wurde, werden die entsprechenden Längen für die Pfeife zugeschnitten.

Wichtiger Hinweis: alle Brettchen 35mm länger zuschneiden, als in der Mensurentabelle angegeben. (Als Reserve)

Ich hatte überschlagsmäßig die Menge der Bretter berechnet. Insgesamt scheint das wohl eine sehr positive Berechnung gewesen zu sein. Als Grundlage hatte ich Bretter von 0,1m x 1m angenommen. Die gibt es günstig bei ebay zu kaufen.
Für meine Höffle bin ich bezüglich der Bretter einen anderen Weg gegangen.
Ich hatte mir Reste von Orgelbauhölzern gekauft, die allerdings um die Maße (0,1m x 1m) herum schwankten. Die wurden dann auf die Entsprechende Dicke (4mm, 5mm, 6mm) gehobelt und geschliffen.

Folgende Mengen hatte ich ermittelt:

  • Boden und Begleitpfeifen: 7 x 5mm, 3 x 6mm
  • Melodiepfeifen 1. und 2. Register: 4 x 5mm, 2 x 6mm
  • Piccolopfeifen: 0,5 x 3,5mm, 1 x 4mm, 1 x 5mm
  • Violinen: 5 x 5mm, 4 x 6mm




Die Pfeife vor dem Kleben der beiden Seitenteile. Ich hatte zusätzlich, zum Zwischenlegen, noch eine weiteres Stückchen Kern von 0,5cm gesägt. Das ist das kleine Stück am Ende, auf der rechten Seite.


Der Kern geklebt, mit den Anpresszangen.

Zum Kleben, den Kern mit der Pona... Flasche einstreichen. Dann den Kleber mit der Hand gleichmäßig verstreichen, so dass sich nicht zu viel Pona... auf dem Holz befindet. Die Brettchen anlegen, ausrichten, mit der Spannzange fixieren.

Wichtig: Dann kontrollieren, ob Kern und Brettchen nach dem Fixieren Plan aufliegen. Sonst durch Andrücken der Teile auf die Platte schauen, dass die Teile dann Plan anliegen. Mindestens 10 min. Aushärten lassen. Nächste Pfeife kleben...

Damit meine Pfeifen nicht durch austretendes Pon... auf dem Untergrund festkleben, habe ich eine Kunststoffscheibe auf eine dickere Multiplexplatte geschraubt. Die dickere Platte deshalb, um einen gute plane Unterlage zu haben.

Cellophanfolie als Unterlage würde wohl auch genügen.


Die Spannzangen mit dem Kern und den Seitenbrettchen der Pfeife.


Nachdem die Seiten angeklebt wurden, habe ich dias Front- und Rückbrettchen wieder zusammengepackt.

So sind die zugehörigen Teile der Pfeife immer beisammen.
Unter den Beschriftungszetteln, nicht sichtbar, befinden sich die Spunde (Stöpsel).


Hier wird gerade die Rückseite der Pfeife plangeschliffen.

Dafür habe ich mir eine dickes Brett (ca. 20mm) von ca. 1,2m x 0,25m zusägen lassen.

Auf diesem wurde dann Schleifpapier von der Rolle, auf ganzer Länge aufgetragen.

Ich habe 40er und 180er Körnung verwendet.

40er für den groben Abtrag und 180er für den feineren Endschliff.


Hier noch mal das Schleifbrett in ganzer Länge. Die Schleifpapierbahnen habe ich mit jeweils einer Leiste an den Enden fixiert.


Der Kern mit den beiden Seitenbrettchen nach dem Abschleifen.

Wenn man Striche mit dem Bleistift auf den Kern bringt, kann man gut feststellen, wann man bis auf den Kern geschliffen hat.


Das Kleben der Rückwände.
Da bei den Bodenpfeifen die Messingröhrchen nicht nach unten, sondern nach hinten herauslaufen, musste in das Rückwandbrettchen ein Loch gebohrt werden. Ich habe für alle Bodenpfeifen einen 15mm Forstnerbohrer verwendet.


Am oberen Ende der Pfeifen wird der Spund mit eine Spannzange fixiert.
Ich habe den Spund so weit als möglich am Ende platziert. Daher schaut der Spund etwas über das Ende der Pfeifenbrettchen hinaus.


Eine Bodenpfeife vor dem Aufkleben der Rückwand.


Zur Verteilung des Anpressdruckes wurde nach dem Aufkleben noch ein Brett aufgelegt.

Später, bei den kleineren Pfeifen wurde dann auf das Brett verzichtet.


Hier noch mal die Spannzange, das Brett zum Verteilen des Pressdruckes und die Pfeife.

Ich habe relativ schnell das Brett weg gelassen. Mit genügend Spannzangen wird der Pressdruck auch so gut verteilt.


Die Bodenpfeifen mit aufgeklebten Rückwänden.

Hiweis: Die Deckbrettchen bzw. Labienbrettchen wurden nachträglich noch aus Birnenholz gefertigt.

Ich bin also bei den Labien von Fichte auf Binenholz gewechselt. Das Holz ist härter und läßt sich dadurch sauberer fräsen.


Das Befestigen der Vorschläge.

Ich bin folgendermaßen vorgegangen:

Mit der Proxx... Tischkreissäge habe ich die Leisten für die Vorschläge auf die gleiche Breite wie die Pfeifen geschnitten. Hierbei kann man wie bei den Pfeifenbrettchen verfahren, mit der größten Pfeife beginnen und dann immer mit der nächstkleineren Pfeife weitermachen.

Wenn das Vorschlagbrettchen abgeschnitten war, habe ich es mit einer Spannzange an der Pfeife fixiert. Der Vorschlag muss plan mit der Oberkante des Kernes abschließen.

Folgende Maße für die Bohrungen wurden verwendet (angerissen):

Es wurden 25mm von der Oberkante des Vorschlages und jeweils 5mm von der Außenkante aus angerissen.

Diese Maße empfinde ich als optisch am passendsten. Die Lage der Schrauben sollten nicht an Ränder oder Ecken gequetscht aussehen.



Zum Befestigen der Vorschläge habe ich 3x20mm Linsenkopf Messingschrauben verwendet.

Hierbei wurde für die Befestigungsbohrung der Schraube mit 2mm gebohrt, der Vorschlag selbst dann mit 3mm aufgebohrt.

Nach dem Aufbohren des Vorschlages wurde für die Messingschraube gesenkt.
Dann wurde der Vorschlag festgeschraubt. Wobei ich hier die Schraube zuerst vorsichtig, ohne Vorschlag, vorab eingeschraubt hatte.


Mit dem festgeschraubten Vorschlag konnte nun problemlos das Loch für die zweite Schraube gebohrt werden.

Dann Vorschlag abschrauben, Vorschlag in 3mm Aufbohren, senken und Vorschlag mit beiden Schrauben festschrauben.

Natürlich kann man sich auch eine Einspannvorrichtung für die Vorschläge bauen, dann könnten beide Bohrungen gleichzeitig getätigt werden.

Aber man hat ja genug Zeit, derzeit bereits fast drei Jahre! :)


Der fertig angeschraubte Vorschlag.


Die Fräslade zum Fräsen der Labien

Die Fräslade wurde weitgehend so gebaut, wie in der Bauanleitung beschrieben.

Die einzigen Änderungen, die ich vorgenommen habe,betreffen die Aufnahme der Gewindestangen, sowie die Gewindestangen selbst.

Es wurden 8mm Gewindestangen verwendet und statt Splinte zu verwenden, wurden einfach Muttern an den Gewindestangen angeschweißt.

Für die Aufnahmen der Gewindestangen wurden komplett durchlaufende Flacheisen 4x24mm verwendet.

Zum Anzeichnen der Schrägen wurde auf die Oberfläche ein Winkelmesser gelegt, der mit 14 Grad eingestellt war. Dann wurde angezeichnet. Da die Hölzer eine Phase haben, wurde der Winkelmesser unter Zurhilfenahme von einem Holzklotz geführt.
Zusätzlich wurden auf der Anzeichnungslinie zwei Nägel mit abgeschnittenem Kopf eingeschlagen.


Für die Führungsleisten der Fräse wurden 5mm Flügelschrauben verwendet.
Die schneiden nach dem Vorbohren das Gewinde selbst in das Holz.

Nachdem die Führungsleisten mit dem erichtigen Maß auf die Fräse ausgerichtet waren, wurden die Leisten sicherheitshalber mit kleinen Schrauben gesichert.

Ich wollte verhindern, dass ggf. die Führungsleisten sich durch den Druck der Fräse verstellen.


Hier ist bereits ein Labiumbrettchen eingespannt worden.


Die Labiumschräge wurde gefräst.


Die fertig gefräste Labiumkante.


Das Zurichten der Dicke der Labiumkante.

Das Labium soll gemäß Baubeschreibung eine Stärke (Dicke) von ca. 1,5mm - 2mm haben. Ich habe mich nach einiger Emailkorrespondenz, für folgende Dicken entschieden: 
Für die Bodenpfeifen 1,7mm und für die Melodiepfeifen 1,5mm.
Nachtrag 2019: Für mich haben sich die gewählten Labienkanten als richtig herausgestellt.

Für das Zurichten gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine wäre das Abstechen mit einem Stechbeitel. Eine Zweite wäre das Abfräsen, z.B. mit einer Proxx... Bohr- / Fräseinrichtung.

Ich habe mich für die günstigste Art des Abfräsens entschieden. Meine Idee ist eigentlich extrem günstig, wie auch einfach in der Umsetzung, nur ggf. ein wenig aufwändiger beim Säubern und Fräsen selbst.

Es wurde eine einfache Aufnahme für die Labienbettchen aus Holzresten gebaut. Die Aufnahme erhielt noch ein senkrechtes, rechtwinkliges Brettchen, damit wurde die senkrechte Ausrichtung des Labienbrettchens vereinfacht.

Beim Festspannen des Labienbrettchens wurde zwischen Sägetisch und Labiumbrettchen ein Stück Papier gelegt, damit das Brettchen immer frei über den Tisch geschoben werden konnte.


Das Aussägen (Fräsen) der Labiendicke erfolgte dann supereinfach.

Zunächst, vor dem Einspannnen des Labiumbrettchens, mit einer festgestellten Schieblehre, z. B. 1,5mm, die Tiefe der Ausfräsung anreißen und dann mit Bleistift und Winkel anzeichnen.

Danach mit der Sägeaufnahme immer wieder über die Säge fahren. Dabei kann die genaue Tiefe bzw. Höhe durch das Verstellen des Sägeblattes eingestellt werden.

An den Rändern, zu den Bärten hin wurde ca. 1mm nicht gefräst, damit nicht versehentlich die Bärte mit angesägt werden. Diese Reste wurden dann mit einem kleinen Cuttermesser vorsichtig abgeschnitten.

Man kann wunderbar nach dem Sägen die Sägehalterung mit dem Labiumbrettchen anheben, die Labiendicke messen und durch erneutes Aufsetzen und der Höhenverstellung des Sägeblattes die Dicke vergrößern. Dies wiederholt man, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Die Labienkannte kann dann noch mit einer "Holzfeile" sauber "Entgratet" werden. Eine Holzfeile ist ein Holzbrettchen, auf das ein Schleifpapier geklebt wurde.

Das Messen der Labiendicke erfolgte mit einem auf den entsprechenden Wert fest eingestellten Schieblehre. Wenn man die Schieblehre an die Labienkante hält, kann man sehr gut sehen, ob die gewünschte Labiendicke bereits erreicht ist. Ich habe mich nicht auf den Strich verlassen, sondern mich an die Dicke herangetastet. Der Strich dienste nur als Anhaltspunkt, ab wann man in die Nähe der gewünschten Labiendicke kam.

Wichtig: Es muss in die Labienschrägung gesägt werden. Bei den ersten Versuchen, als die Labienschräge nach hinten zeigte, war die Schnittkante nach dem Sägen ausgerissen.
Abschliessend alles mit der Holzfeile säubern.

Danach werden die "Seitenbärte" auf die entsprechende Aufschnitthöhe gekürzt.


Vor dem Aufkleben der Labienbrettchen hatte ich die Zwischenlagen zurechtgeschnitten. Eigentlich ist es völlig egal, wann man die anfertigt. allerdings wollte ich gerne, gleich nach dem Kleben, hören, wie die Pfeife klingt.

Dafür habe ich mir gemäß der Angabe in der Mensurentabelle, entsprechend dickes Papiermateriel gesucht.

In diesem Falle eine Werbekarte.


Nach dem Anzeichnen mit dem Cuttermesser ausgeschnitten.

Und mit dem 3mm Locheisen die Löcher für die Schrauben ausgestanzt.


Wenn die Löcher nicht passten, wurde mit der Locheisen noch ein wenig mehr vom Karton entfernt.



Das Kleben der Labienbrettchen.

Ich habe die Labienbrettchen ohne die Zwischenlagen unter den Vorschlägen geklebt. Als Vorsichtsmaßnahme, falls etwas vom Kleber austritt und ggf. die Zwischenlage festklebt.

Das Labienbrettchen wurde ganz mit Holzleim eingestrichen. Dadurch ist das Labienbrettchen in einem Arbeitsgang verklebt und gleichzeitig von innen "Lackiert" worden.


Die geklebte Pfeife mit der aufgelegten Zwischenlage und dem Vorschlag.

Die Zwischenlagen wurden sicherheitshalber beschriftet.

Hinweis zu den Zwischenlagen, im Hinblick auf das Stimmen der Pfeifen:
Die Dicke der Zwischenlagen hat eigentlich keinen Einfluss auf den Ton, sondern nur auf die Lautstärke des Tones.


Und hier mit dem aufgeschraubten Vorschlag.


Das Beschleifen der fertig geklebten Pfeifen.

Im Bild unten die an den Seiten abgeschliffene Pfeife, oben die Baugleiche (2. Register) im "nur" verklebten Zustand.

Es wurde das gleiche Schleifbrett verwendet, wie weiter oben beschrieben, zum Abschleifen der Rückseite (Seitenbrettchen) der Pfeifen.


Vier Bodenpfeifen werden rechtwinklig abgekantet.

Hier eine der Pfeifen fertig zugeschnitten.


Die vier abgewinkelten Bodenpfeifen im fertigen, beschliffenen Zustand.



Hier nun ein paar original Raffin Bauteile, die ich in die Pfeifen meiner Höffle Drehorgel einbaue.

Danke noch mal an Herrn Engeser dass ich die Zierkegel als Ersatzteile kaufen konnte.

Für die Spunde der Pfeifen empfinde ich diese Form als besonders gelungen und harmonisch.

Allerdings werde ich die Kegel nur auf die vorderen 11 Melodiepfeifen des 1. Registers setzen.


Das Ablängen der fertig beschliffenen Pfeifen.

Ich habe die Pfeifen nicht mit der Kappsäge, sondern von Hand abgelängt. Die Abgewinkelten Pfeifen wurden ebenfalls so zugeschnitten.

Warum? Keine Ahnung, ich hatte mich dazu entschlossen das ohne Maschine zu machen.


Die zugeschnittenen Messingröhrchen für die Bodenpfeifen.

Da die Kerne unterschiedlich hoch sind, müssen die Röhrchen unterschiedlich lang sein, um in der Drehorgel eine gleichmäßige Höhe zu erreichen.

Nach dem Einkleben habe ich festgestellt, dass ich bei der großen Basspfeife, mich doch um 5mm vermessen hatte.


Eine Bodenpfeife mit eigeklebtem Messingröhrchen.

Beim Einkleben hatte ich festgestellt, dass die 15mm Bohrungen in den Rückseitigen Brettchen von Vorteil sind.

Die Röhrchen wurden mit 2K KLeber eingeklebt.
Dafür wurden die Röhrchen gleichmäßig im Einklebebereich mit Kleber bestrichen.

Beim einschieben des Röhrchens in den Kern bildete sich dann ein Wulst aus überschüssigem Kleber um das Röhrchen.

Durch die 15mm Bohrung im Brettchen, war genügend Platz für den Klebewulst.
Dieser dient nun als zusätzliche Verbindung zwischen Kern und Messingröhrchen.


Das Beledern der Spunde erfolgte nach Bauanleitung. Ein zweite, von mir nicht angewandte Möglichkeit, wäre folgende:
Die vorbereiteten Spunde (schräg angeschliffen) werden mit Holzkleber eingestrichen und dann mit einem auf das Pfeifenende aufgelgtes Lederstück zusammen in die Pfeife bündig mit der Aussenkante der Pfeife eingetrieben. Nach dem Aushärten des Leimes wird das überstehende Leder abgeschnitten.

Im Bild zu sehen, die Anrisse für die anzuschleifenden Schrägungen.

Nach Bauanleitung sollen die Schrägungen ca. 10° betragen. Dieses entspricht in etwas 1mm an der Unterseite des Spundes.

Die Spunde selbst wurden ca. 1,5mm kleiner als die Pfeifeninnenmaße gefertigt.
Ich wählte das Maß von 1,5mm, da zwei Lederstreifen übereinandergelegt und mit der Schieblehre zusammengeprest ca. 1,6mm ergaben (bei meinem Balgleder von ca. 0,95mm). Ich habe mir übrigens neue Spunde gefertigt, also die bereits vorhandenen nicht abgeschliffen, was auch möglich wäre. Zur Probe wurde der Spund dann mit einem Lederstreifen umschlungen in die Pfeife eingesteckt. Wenn dies nicht zu schwergängig möglich war, wurde dies als brauchbar angenommen. Diese Probe wurde nur für die ersten Pfeifen angewandt. Es stellte sich für mich heraus, dass das Maß von 1,5mm immer passend war.


Der nun schräg angeschliffene Spund.


Die Belederung des Spundes. Dem Spund wurde bereits eine Ösenschraube eingedreht.


Der fertig belederte Spund.

Nach der Belederung des Spundes wurden noch die Ober- und Unterseite lackiert.


Die erste fertige Pfeife, die große Basspfeife.
Fertigstellung der ersten selbstgebauten Pfeife: 26.11.2018.

Das einsetzen der Spunde in die Pfeifen:
Das Leder der Spunde wurde mit Talkum eingestrichen. Danach konnten die Spunde gut in die Pfeifen eingepresst werden.

Die Pfeifen wurden übrigens zweimal mit Acryllack Seidenmatt lackiert. Wobei hier die Vorschläge getrennt von der Pfeifen lackiert wurden. Da die Bodenpfeifen nicht sichtbar sind genügten mit zwei Lackierungen.

Was auf dem Bild leider nicht zu sehen ist: Es wurden, zur Befestigung der Pfeifen, an jeder Pfeife, jeweils zwei 5mm dicke Holzbrettchen geklebt, die die Breite der Pfeifen haben. Die Brettchen haben eine Länge von 3cm. Da die Bodenpfeifen entgegen der Bauanleitung auf eine ca. 6mm dicke Trägerplatte geschraubt werden, dienen die Brettchen dazu, zu verhindern, dass die Befestigungsschrauben 3x12mm aus versehen in die Pfeife eingedreht werden.
Die Brettchen wurden am Ende der Pfeifen, sowie direkt hinter dem 10mm Messingröhrchen aufgeklebt.


Die fertigen Bodenpfeifen, aufgeschraubt auf die 6mm Trägerplatte (29.11.2019).

Die Trägerplatte wird zusammen mit den Pfeifen in den Boden der Höffle Drehorgel eingescharubt. Die schwarzen Punkte sind die Löcher für die Befestigungsschrauben.

Leider nicht zu sehen, die 10mm Messingröhrchen der Pfeifen, die auf der anderen Seite ca. 35 - 40mm herausschauen.

Ich habe die Spunde (Stöpsel) der Pfeifen nicht ganz eingeschoben, das erleichtert das spätere Stimmen, dan man die Spunde so nur weiter einschlagen muss, man erspart sich das herausziehen der Spunde, falls sie beim Stimmen von vornherein schon zu weit eingschlagen gewesen sein sollten. 


Die fertigen Pfeifen des 1. und 2. Registers.

Es fehlen noch die belederten Spunde.


Das erste Register eingesetzt, mit Spunden versehen, sowie bereits gestimmt.

Die ersten Melodien wurden nach der ersten Stimmung am 20.12.2018 gespielt.

Eine Pfeife einer Bassdoppelpfeife muss noch mal nachgestimmt werden.

Im Bild zu sehen:
Einige Spunde schauen ein wenig aus den Pfeifen heraus. Warum das bei mir so ist, kann ich nicht sagen. Die Längenangaben in der Mensurentabelle wurden eingehalten.
Hinweis für Selbstbauer: Die Pfeifen um 5mm länger ablängen, als in der Mensurentabelle vermerkt. Kürzen kann man hinterher leichter, als verlängern!




Das Stimmen der Pfeifen.

Für das Stimmen der Pfeifen wurde das chromatische Stimmgerät Korg CA-40 eingesetzt.

Für mich, als jemand, der von Noten und Instrumenten keine Ahnung hat, waren die ersten Stimmversuche etwas verwirrend und frustrierend. Daher sind alle Hinweise, die ich hier vermerke, für alle musikalisch ungebildeten, wie ich es z.B. bin, gedacht.
Es kann natürlich sein, dass ich mit meinen Angaben, aus der Sicht eines Musikers, völlig falsch liege. Sie haben mich aber letztendlich zum Ziel, dem Stimmen der Pfeifen, geführt.

Die folgenden Informationen sind daher für diejenigen gedacht, die wie ich, keine Ahnung von Noten und Instrumenten haben:

Für das Stimmen sollte das Stimmgerät so nah als möglich an die Pfeifen gestellt werden. Ich habe dafür eine Trittleiter vor die Drehorgel gestellt und auf den Stufen entsprechend der Höhe der Pfeifen das Stimmgerät aufgestellt.

Wenn die Pfeife gestimmt wird, ist folgende Information hilfreich:
Je kürzer die Pfeife durch das weiter einschieben (einschlagen) des Spundes wird, desto höher wird der Ton.

Man muß folglich beim Stimmen nur schauen, welchen Ton zeigt mir das Stimmgerät gerade an und muß ich den Spund noch weiter einschieben.

Wenn man mit nur halb eingestzten Spunden beginnt, ist man immer mit dem weiter einschlagen des Spundes auf dem richtigen Weg.

Beim Einschlagen des Spundes aber obacht geben und mit jedem schlag, immer nur ganz wenige zehntel mm einschieben. Die Tonhöhe ändert sich schnell, wenn man den Spund zu weit eintreibt. Dann muss der Spund wieder ein Stück herausgezogen werden und man beginnt erneut mit dem Stimmen.

Wichtig ist auch dass die Pfeifen nicht ausserhalb der Drehorgel gestimmt werden. Es soll schon vorgekommen sein, dass nach dem Einsetzen der vorgestimmten Pfeifen, die Stimmung nicht mehr passte.

Zum Stimmen der Pfeifen muss immer die Pfeife ertönen, die gerade gestimmt werden soll. Dafür klebt man am besten den Spieltisch mit Malerkrepp ab. Und läßt nur das Loch auf dem Spieltisch offen, zum welchem die zu stimmende Pfeife gehört.

Beim Stimmen der drei Doppelbaßpfeifen wird von den Doppelpfeifen zur Zeit immer nur eine Pfeife gestimmt. Jede Pfeife eines Doppelbasses wird auf die gleiche Note gestimmt.
Damit immer nur eine Pfeife eine Doppelbasspfeife gestimmt werden kann, wird die zweite Pfeife z.B. mit Küchenpapier ausgestopft und umgekehrt.

Folgende Infos beziehen sich auf das von mir verwendete Korg Stimmgerät:

In der Bedienungsanleitung des Stimmgerätes ist vermerkt, welche Noten man, wenn man denn möchte, manuell auswählen kann. Diese Reihenfolge der Noten zeigt das Gerät auch beim Stimmen an. Die Noten werden am rechten Rand des LCD Displays angezeigt. Es muß also nur geschaut werden, welche Note zeigt das Stimmgerät gerade an und welche Note folgt, oder folgen, bis ich meine zu stimmende Note erreicht habe. Das Stimmgerät hat neben einem LCD-Display, das ein Zeigerinstrument simuliert, noch drei LEDs.
Wenn der Zeiger der LCD Anzeige genau mittig steht, dann leuchtet die mittig plazierte LED grün. Dies sagt aus, dass die im Display rechts angezeigte Note exakt gestimmt ist. Wenn der Zeiger nach links oder rechts von der Mitte ausschlägt, leuchten entsprechend die LEDs links oder rechts von der Mitte.
Zeiger Links, linke rote LED: Der Ton ist noch zu Tief. (Spund muss weiter eingeschlagen werden)
Zeiger rechts, rechte rote LED leuchtet: Der Ton ist zu hoch. (Spund muss wieder herrausgezogen werden, gilt, wenn der Ton erreicht wurde)

Das Korg Stimmgerät hat folgende Notenfolge:
A <--> Bb <--> B <--> C (C5) <--> C (C4) <--> C# <--> D <--> Eb <--> E <--> F <--> F# <--> G <--> G# <--> A <-->...

Wenn ich die Note E stimmen möchte, mein Stimmgerät zu Beginn der Stimmung B anzeigt, dann muss der Spund so lange weiter eingedrückt werden, bis auf dem Stimmgerät E angezeigt wird und der Zeiger des LCD Displays mittig steht, sowie die mittige LED grün leuchtet.

Folgend die Umsetzung der Noten der Mensurentabelle von Walter Höffle auf das Korg Stimmgerät (von Wolf-G. Blümich):

20er TonstufeBezeichnung bei Korg
3, 11, 19C
4, 12, 20D
5, 13Eb
6, 14E
1, 7, 15F
8, 16G
9, 17A
2, 10, 18Bb


Das 2. Register muss in Schwebung gestimmt werden. Hierfür wurden zuerst 1. und 2. Register gleich gestimmt. Danach wurde das 2. Register ca. 10 bis 20 Cent höher gestimmt (Spunde weiter eintreiben). Das Korg Stimmgerät hat dafür auch eine Centanzeige. Wobei auch hierbei die Spunde immer nur wenige zehntel mm weiter eingetrieben werden dürfen. Beim Stimmen der Schwebung vorgehen, wie vorgehend auch beschrieben, immer den Spieltisch abkleben und nur das Loch für die zu stimmende Pfeife frei lassen. Wenn nach des Stimmung der jeweiligen Pfeife dann das 1. Register gezogen wird, und es erklingt der schwebende Ton, ist das Ziel erreicht.
Bei der ersten Pfeife langsam herantasten, immer wieder das 1. Register zuschalten, das Aha-Erlebnis kommt von alleine!


Das einstellen der Ventile.

In welcher Reihenfolge man vorgeht, muss man selber entscheiden. Entweder zuerst die Ventile einstellen, oder zuerst die Pfeifen stimmen. Sollte jedoch eine Pfeife beim Stimmen nicht ertönen, so muss zuerst das/die Ventil/e eingestellt werden.

Zum Einstellen, bzw. zum Überprüfen des Ansprechens der Ventile habe ich ein Stimmband genutzt. Dieses wurde für das Stimmen der Pfeifen selbst nicht verwendet. Dafür hatte ich das Korg Stimmgerät. Das Stimmen mit dem Stimmband ist etwas für Musiker, die die Pfeifen nach Gehör stimmen wollen.

Folgend ein wenig umständlich, die Funktion von Einstellschraube und Überstromkanal, erklärt:
Die Ventile der Höffle Drehorgel sind Schwerkraftventile. Soll heißen, die Ventile schließen durch das herunterfallen der Bleischeiben. Mit den Einstellschrauben wir dieses Gegendruckverhältnis von ein- und abströmender Luft über den Spieltisch geregelt. Wenn der Überströmkanal ganz geöffnet ist, durch die, nicht in den Überstromkanal eingedrehte schraube, wird das Ventil, bei offenem Loch auf dem Spieltisch, nicht öffnen.

Bei durch die Einstellschraube geschlossenem Überströmkanal ist es umgekehrt. Das Ventil öffnet, wenn das Loch auf dem Spieltisch öffnet, schließt ggf. nicht, da der innere Luftdruck das Ventil offen hält.

Beim Einstellen der Ventile muss mit den Einstellschrauben das richtige Maß an ein- und ausströmender Luft gefunden werden.


Es folgen demnächst noch der Bau der Piccolopfeifen, sowie der Trompeten.