Informationen zum Drehorgel Selbstbau

20er Drehorgel mit Lochbandsteuerung

Anfertigung des Gehäuses


Ich beginne, wie auch in der Baubeschreibung, mit dem Bau des Gehäuses.
Zu Beginn meiner Überlegungen wollte ich das Gehäuse mit Intarsien (Marquetterie) versehen. Davon bin ich aber wegen des Aufwandes wieder abgerückt.
Es soll ja in erster Linie die Drehorgel gebaut und nicht mit großem Aufwand die Verzierungen aufgebracht werden.

Ich werde die Verzierungen nun mit goldener Acrylfarbe auftragen.
Ein rein helles Gehäuse soll meine Drehorgel nicht erhalten.

Zu allererst werde ich Probeholzstücke (12mm Multiplexplatte 10cm x 10cm) beizen und lackieren.


Die Teststücke

Nebenstehend die vier Holzstücke mit der fertigen Holzbeize Nußbaum hell. Die Beize gibt es fertig abgefüllt in Kunststoffflaschen zu kaufen. Es ist keine Beize, die man erst selber anmischen muss.

Jeweils zwei Stücke wurden einmal mit Nußbaum hell und zwei Stücke zweimal mit Nubaum hell gebeizt.

Die Trockenzeit zwischen den einzelnen Beizaufträgen betrug ca. 24 Stunden.

Nach dem Beizen wurden wieder jeweils zwei Stücke, zweimal mit Parkettlack auf Acrylbasis, sowie die anderen beiden Plättchen mit normalem Acryl Klarlack Seidenmatt lackiert.

Die Trockenzeit betrug auch hier mindestens 24 Stunden.

Auf den Fotos ist der Farbunterschied zwischen einfacher und zweifacher Beizung leider nicht gut zu erkennen.
Allerdings sind bei allen 4 Probestücken eigenartige Helligkeitsunterschiede zu erkennen.
Die Flächen sehen "fleckig" aus.



Hier folgen die Teststücke mit der Beize Nußbaum dunkel.

Es wurde wie oben, bei der Beize Nußbaum hell verfahren.


Die unteren beiden Platten bringen sicher einen sehr schönen Kontrast zu goldenen Verzierungen.



Vergleich

Hier nochmal ein direkter Vergleich der zwei Platten Nußbaum dunkel.
Die linke Platte wurde einmal gebeizt, die rechte zweimal.



Die Schablone

Das aufgezeichnete Muster auf der Maskierfolie. Die Quadrate haben eine Kantenlänge von 2cm.

Das Ausschneiden ist eine nette, fisselige Arbeit.


Das Ergebnis

So wird die Gestaltung des Gehäuses aussehen!

Die Multiplexplatten werden wie folgt behandelt:

  • 2x Beize Nußbaum dunkel
  • 2x Parkettlack Acryl
  • Dekorationnen mit goldener Acrylfarbe auftragen
  • 1x Parkettlack Acryl



Nach diesen Gestaltungstests geht es richtig mit dem Gehäusebau los.



Der Plattenständer

Damit ich die Platten für das Gehäuse besser managen kann, habe ich mir erstmal einen Plattenständer gebaut. 5€ Materialkosten.

Das ist so besser, als das die Platten immer übereinander liegen würden und ich dauernd Platten schieben müsste.


Die Schablone

Ich habe für die Ausschnitte eine Abzeichnung von einer bereits fertigen Drehorgel verwendet. Ich fand das Muster schöner als den Rundbogen aus der Bauanleitung.

Das Muster für die Ausschnitte wird auf selbst bemaßtesTonpapier geklebt und dann ausgeschnitten. Danach weden die Muster übertragen.


Die Anrisse

Die fertig angezeichneten Ausschnitte.


Die fertigen Sockelplatten

Das Ergebnis der reinen Fleißarbeit. Ich habe die Ausschnitte mit einer Laubsäge vorgenommen. 

Abschließend wurden die Kanten noch mit einem Dre... beschliffen.

Hinweis:
Der Sockel wurde 2cm höher erstellt, als in der Bauanleitung angegeben. Also 170mm, anstatt 150mm.
Der Grund ist, den Abstand der Bodenpfeifen zum Fußboden im sicheren Rahmen zu gewährleisten. Die Bodenpfeifen werden entgegen der Bauanleitung auf eine 5mm Platte geschraubt. Die Pfeifen selber erhalten jeweils auch noch ein 4-5mm Plättchen, damit die Schrauben nicht aus Versehen in das Pfeifeninnere geschraubt werden. Dadurch verringert sich der Abstand zum Fußboden schon um ca. 1cm. Zusätzlich noch 1cm Sicherheitsabstand ergibt dann die 170mm.


Abweichende Bauweise von der Bauanleitung

Mein Gehäuse erhält vorne eine große Platte mit einem Ausschnitt. In der Bauanleitung besteht die Front aus zwei Platten, wobei die obere Platte den Ausschnitt für die Pfeiffen hat.

Die Platte mit dem Ausschnitt hat u.a. den Vorteil, dass ich die Abdeckplatte für die Front ganz zum Schluss gestalten kann.
Auch kann die Abdeckplatte gegen eine andere ausgetauscht werden.
So könnte man beispielsweise zu Weihnachten ganz einfach eine Platte mit einem Weihnachtsmotiv, oder Weihnachtsspruch anbringen.

Die Front bleibt somit sehr flexibel gestaltbar.

Der Rahmen ist an den beiden Seiten und oben jeweils 45mm breit, unten habe ich 50mm gewählt, da ja der Sockel auch noch aufgeschraubt wird.

Oben in den Ecken des Ausschnittes habe ich jeweils kleine Schrägen stehen gelassen. In diese Schrägen wird dann später die Frontabdeckung festgeschraubt. Wobei die Frontabdeckung im unteren Bereich eingesteckt werden soll.

Die Schrägen kommen auch der Stabilität zu gute.

Die Abstände der Befestigungsschrauben des Gehäuses habe ich wie folgt gewählt: für die oberste und unterste Schraube wurden die Maße aus der Bauanleitung genommen. Die Zwischenabstände wurden gleichmäßig aufgeteilt.



Gehäuserohbau fast fertig

Das Gehäuse im Rohbau ist fast fertig. Nur die Klappdeckel fehlen noch.


Und natürlich abweichend von der Höffle Baubeschreibung meine Tragegriffhalter:

Es sind Seilhalter aus Messing für 30mm Seile.

Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und Oberflächen. Ich habe mich für Messing glänzend und der Befestigung von innen, mit einer 8mm Sechskantschraube entschieden.

In die Halter kommt dann, ein entsprechend abgedrehtes 35mm Buchenrundholz, das die gleiche Lackierung, wie das Gehäuse erhält.

Auf die Enden kommen dann noch Messingendkappen.

Insgesamt eine Anlehnung an die Raffin Drehorgeln.


Das Gehäuse ist mit dem Deckel und den Tragegriffen.

Ich habe kein Klavierband genommen, sondern 6 Messingscharniere.

Es wurden in der Mitte zusätzlich zwei Scharniere eingebaut (daher insgesamt 6), um ein Durchbiegen des schmalen Mittelstreifens zu verhindern.

Wobei die Scharniere derzeit nur provisorisch mit Eisenschrauben befestigt sind, ich möchte die weichen, empfindlichen Messingschrauben nicht schon jetzt verhunzen.


Die fertige Seitenansicht, mit dem Tragegriff und den Messinghaltern, sowie den Mesingendkappen.


Und das ganze dann in der dunklen Farbgebung, wie am Beginn dieser Seite beschrieben!!!


Lackierung der Griffe

Für die Griffe habe ich mir aus Holzresten einen "Trockenständer" gebaut. Siehe oberes Teil des Bildes.
Die Griffe haben auf der einen Seite eine 4mm Bohrung zum Einstecken auf den Ständer erhalten. Auf der anderen Seite wurde einfach eine Spax eingedreht, damit kann der Griff berührungslos gebeizt/gestrichen und dabei gedreht werden.

Auch sollte es durch diese Konstruktion keine Rotznasen geben.

Im Bild unten links sind die Griffe roh, rechts einmal gebeizt.


Oberer Bildteil:
Links und Rechts, die Tragleisten für die Grundplatte. Die linke Tragleiste hat schon die Ausschnitte für die Pleulstangen des Balges erhalten. Im vorderen Bereich sind die Bohrungen für die Rohre der Bodenpfeifen zu sehen.
Dort, wo die roten Kreise sich befinden, ist jeweils eine kleine Schraube in die kleine Leiste der Rückseite eingedreht. Damit kann die genaue Höhe der sich darüber befindlichen Rückseite passgenau eingestellt werden.
Ich habe diese Lösung gewählt, da mir der Zuschnitt der kleinen unteren Rückwandleiste zu schwierig erschien. Prinzipiell wäre es auch ohne die zwei Justaheschrauben gegangen. Man könnte die große Rückwandplatte ja auch so festschrauben. Durch die Justageschrauben ist die Rückwand aber ohne schieben und drücken, automatisch, exact in der Höhe ausgerichtet.

Unterer Bildteil:
Einer der fertigen Tragegriffe der Drehorgel.


Wichtiger Hinweis: Im oberen Bildteil sind im vorderen Bereich die Durchführungsbohrungen für die Bodenpfeifen zu sehen. Ich hatte bisher nicht darauf hingewiesen, das die Bodenpfeifen entgegen der Bauanleitung auf eine 6mm Trägerplatte geschraubt werden und diese Trägerplatte dann zusammen mit den Pfeifen am Boden festgeschraubt wird. Daher muss man beim Bohren der Durchführungslöcher darauf achten, dass man eine passende 6mm Holzplatte in den Boden einlegt und erst dann die Löcher bohrt. Dadurch ist gewährleistet, dass an der Träger- und Bodenplatte die Löcher jeweils exakt übereinander liegen.


Die Maskierfolie

Die fertig geschnittene Maskierfolie für die Verzierungen des Gehäuses.

Ich habe mir die Folie bei der Firma Boenigk Werbetechnik aus Neumünster zuschneidsen lassen. Herr Boenigk ist sehr hilfsbereit und hat noch ein paar Fehler in den Vektorlinien behoben.

Der Bogen muss noch von mir in die einzelnen Motive aufgeteilt werden.

Für die Ornamente verwende ich eine Goldfarbe von Schminc...! Das ist eine sehr hochwertige Künstleracrylfarbe, mit einer sehr hohen Lichtbeständigkeit.



Der Deckel ist fertig

Die drei Deckelplatten sind endlackiert und mit den Ornamenten versehen. Die Befestigung der Scharniere habe ich geändert, nachdem ich beim ersten Scharnier drei Schrauben abgedreht hatte.
Ich habe die Löcher auf 3mm aufgebohrt (durchgebohrt). Auf der Oberseite ein ganz wenig angesenkt, für den Konus der M3 Senkkopfschrauben. Damit der Konus auch das Scharnier richtig andrückt.
Von unten habe ich mit einem 6mm Bohrer so tief eingebohrt, bis die Mutter im Holz bündig versenkt war. Durch den 6mm Bohrer hatte die Senkung genau die Größe, dass man die Mutter leicht eindrücken konnte und die Mutter damit von selbst im Holz gehalten wird.

Die 36 Stück 3mm Senkkopfschrauben muste ich alle auf eine Länge von 13mm kürzen. Dafür habe ich mir ein entsprechend langes Stück 4mm Messingrohr zurechtgeschnitten.
Kürzen der Schrauben: Auf die Senkkopfschraube kam dann zuerst das Messingröhrchen und darauf dann eine 3mm Mutter. Vor der Mutter wurde dann gekürzt und gefeilt. Fertig!


Im Bild unten links: Die Seitenansicht zusammen mit dem fertigen Tragegriff.

Im Bild unten rechts: Deckel vorne aufgeklappt. Man sieht die drei Muttern je Scharnier.




Der Lackierplatz

Für die Lackierarbeiten durfte ich das Gästezimmer eines Familienmitgliedes in der Nachbarschaft zweckentfremden.

Ich habe mir eine "Lackierunterlage" gebaut. Einen Holzrahmen, durch den viele Schrauben gedreht wurden. Also quasi ein Fakirbett. Dadurch kann ich jede Platte, immer in einem Durchgang, von beiden Seiten lackieren. Die "gute" Seite ist dann immer oben. Die "gute" Seite wäre immer die Außenseite des Gehäuses. Die kleinen Spitzen der Schrauben, die in den Lack drücken, sind eigentlich nicht zu sehen. Aber da das dann immer die Innenseite des Gehäuses ist, ist das sowieso zu vernachlässigen.


Das fertige Gehäuse: Vorderseite.

Der Deckel ist nur aufgelegt, noch nicht verschraubt.
Die vordere Abdeckplatte wird erst ganz am Schluss gefertigt.


Das fertige Gehäuse: Rückseite.

Die Bedienelemente von links nach rechts:

  • Kupplungsknauf, wird beim Zurückspulen der Lochbandspule verwendet
  • Die Rückspulkurbel
  • Kupplungsknauf, zum Ein / Auskuppeln der Antriebsriemenscheibe mit der Aufwickelspule
  • Die Antriebs-Kurbelachse



Der Kantenschutz am Sockel.

Der Kantenschutz wurde von der Form her, den gängigen und historischen Drehorgeln nachempfunden. Es wurde nicht die Vorgabe aus der Bauanleitung verwendet.

Ich habe mir dafür eine Bemaßung auf Papier aufgezeichnet und dann entsprechend die geschwungenen Formen angezeichnet.

Die ausgeschnittene Papierschablone habe ich dann zum Anzeichnen verwendet.

Für den Kantenschutz habe ich Messingwinkel von 30x30x2mm verwendet.

Es wurden entlang der Anzeichnungslinien mit einem Bohrer eine Lochreihe gebohrt. Dann teilweise mit der Puksäge angesägt und mit der Zange abgebrochen und  danach mit einem Korundschleifvorsatz, sowie mit Feilen die Form entsprechend des Anrisses nachgeschliffen.



Hier die vier fertigen Kantenschutzwinkel für den Sockel.


Das Gehäuse mit Kantenschutz und Einbauten.


Der Kantenschutz auf der Vorderseite.